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Durch Danubistan. Zweiter Teil: Italienische Etikette

1. August 2017

Will man von Landshut weiter nach Passau, so gibt es zwei Möglichkeiten: Man fährt die Isar entlang bis zu ihrer Mündung bei Deggendorf und folgt dann der Donau. Oder man durchlängt das Vilstal bis Vilshofen und folgt dann ab dort der Donau. Augenscheinlich ist der Weg über Deggendorf deutlich länger, und so entschieden wir uns für die Fahrt durchs Vilstal.

Diese Route ist, da bin ich mir inzwischen sehr sicher, nicht kürzer. So gar nicht. Kein kleinstes Bisschen. Denn da führt dann der Radweg nicht einfach an der Vils entlang, sondern er schlägt wilde Kurven, überquert den Fluß (der übrigens noch bachiger ist als die Isar) ein ums andere Mal und legt so einen Slalom durch das Tal hin, der den Großen Mäander beeindrucken würde – und die Streckenlänge schätzungsweise glatt verdoppelt. Erschwerend kommt dazu, daß der Radweg, weil er sich ständig wieder von der Vils entfernt, natürlich nicht durch Auwälder führt, sondern durch Felder und niedrige Dörfer, wo kein Schatten ist, keine wassergekühlte Brise, nur stehende, heiße Luft und stechende Sonne.
So wurde das Vilstal zu unserer härtesten Etappe, es zerrte an unseren Nerven und es laugte uns die Beine aus. Doch immerhin fährt man halt auch durch eine Gegend, die es, blickt man nicht allzu genau, da und dort ohne weiteres mit der Toskana aufnehmen kann.

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Erstaunlich eigentlich, daß sie hier mit dieser Ähnlichkeit keine Werbung machen, wo doch das Etikett „Toskana X-ens“ so gerne von Fremdenverkehrsverantwortlichen auf alles Mögliche geklebt wird. Auf die Landschaft dort oben aber nicht, denn ausgerechnet die Oberpfälzer waren schneller, dort also liegt jetzt die „Toskana Bayerns“. Zumindest, finde ich, hätte man sich dann auf eine Notlösung werfen können, sowas wie: „die andere Toskana Bayerns“ oder „noch eine bayerische Toskana“ oder, um den Gegensatz zur Oberpfälzer Konkurrentin zu akzentuieren, „die Toskana Bayerns, in der sich Preissn wenigstens noch ein bisschen mit den Einheimischen verständigen können.“
Es böte sich wirklich an, im Vilstal einen auf italienischen Flair zu machen, denn schon früher, bevor es Fremdenverkehrsbeauftragte und Marketing-Strategen und den Wirtschaftsfaktor Tourismus gab, orientierte man sich in der Gegend an Italien.
In und um Vilshofen steht einiges an barocker Pracht, und sogar die italienische Epoche schlechthin, die Renaissance, hat ihre Spuren hinterlassen. Gerne würde ich das auch beweisen, allein die Hitze und die nicht enden wollende Etappe haben die Foto-Lust doch arg gedämpft und zu unverzeihlicher Eile getrieben.

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Die „welschen Hauben“ der Abtei Schweiklberg hier im Bild (dafür war bei einer Trinkpause dann doch noch Zeit) allerdings scheinen nur aus der Ferne so italienisch-altehrwürdig – aus der Nähe könnte man sehen, daß sie im Jugendstil geformt wurden. An ihrer Fernwirkung aber kann man sehr schön erkennen, daß die Wiederkehr bestimmter Motive in der Mode keine ebensolche erst der Gegenwart ist.
Dafür ist dann hinter dem Vilstal, ein paar Kilometer die Donau hinunter wieder echte italienische Schnörkelei in Hülle und Fülle zu betrachten, in Passau nämlich, wo der Stephansdom sich über die Stadt erhebt:

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Und hier endlich waren wir auch wirklich an der Donau angekommen – denn erst hier ist die Donau auch wirklich zu sich selbst gekommen, hier wird aus dem Fluß erst der Strom aus der österreichischen Hymne, von hier an dringt man vor ins Herz Danubistans. Doch davon später mehr…

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